Biebers Geschichte

 

Die erste, sicher datierbare urkundliche Erwähnung Biebers, welches damals „Bieberaha" genannt wurde, war am 22. April 791. In dieser Zeit lag Bieber im sogenannten Maingau, welcher zum Fränkischen Reich mit seinem König Karl dem Großen gehörte. Damals ließ ein fränkischer Grundbesitzer namens Erlulf eine Schenkungsurkunde ausstellen, in der er seinen Besitz in Bieber dem Kloster Lorsch, einer früheren Benediktiner-Abtei im heutigen südhessischen Kreis Bergstraße, vermachte.


Wann genau sich die ersten Menschen in Bieber ansiedelten, bleibt weitgehend im Dunkel der Vorgeschichte. Dennoch sind Aussagen über die Jahrhunderte und sogar Jahrtausende vor 791 durch zahlreiche prähistorische Funde möglich.

 

Hier nun eine detaillierte Chronik:

 

Die Jahre 787 bis 1655

Um 787
Der fränkische Gaugraf Warin und seine Frau Friderum schenken dem Kloster Fulda vier Hufen (Höfe mit zugehörigem Feld) zu "Bieber im Maingau". Auch Graf Walah schenkt seinen Besitz in Bieber an das Kloster Fulda.
 
22. April 791
Der fränkische Großgrundbesitzer Erlulf schenkt seinen Besitz zu Bieber und weiteren Orten im Main-, Worms- und Rheingau sowie in Mainz an das Kloster Lorsch.
 
868
Teotgar schenkt "zum Heile seiner Seele" seine Güter zu "Bieber im Maingau" an das Kloster Lorsch.
 
12. Jahrh.
Das Kloster Fulda verfügt in Bieber über 91 Zins- und Eigenleute.
 
1270
Erste Erwähnung einer Kirche in Bieber: Der Frankfurter Bürger Wicker "an der Brücke" vermacht in seinem Testament u.a. der Kirche zu Bieber 6 Denare für Kerzen.
 
1290
Die Herren von Hagenhausen (= Hainhausen)- Eppstein gewinnen aufgrund ihrer Lehens-, Gerichts- und Grundrechte allmählich die Landeshoheit in Bieber.
Als Inhaber ihres hiesigen Reichslehens wird Merbodt, Sohn des Bunre, genannt.
 
1307
Siegfried von Solms, Propst zu Aschaffenburg, hebt die Zugehörigkeit der Filialkirche Bieber zur Mutterkirche in Mühlheim auf und erhebt Bieber zu einer selbständigen Pfarrei mit einem eigenen Pfarrer.
 
1320,  11. März
Dekan und Kapitel des Petersstiftes zu Mainz erkennen an, daß das Patronatsrecht über die drei Kirchen in Offenbach, Bürgel und Bieber auf den Stiftsvogt Gottfried von Eppstein und seine Nachfolger übertragen wurde.
 
1338
Das Recht im kaiserlichen Wildbann Dreieich wird aufgezeichnet. Zum Schutz des Waldes und des Wildes bestehen 36 von Forstmeistern bewohnte Wildhuben. Zwei davon befinden sich in Bieber.
 
1356
In Frankfurter Gerichtsakten wird erstmals ein Schultheiß in Bieber genannt: "Henne, Scultetus in Bybera".
 
1371
Gottfried von Eppstein verpfändet das Amt Steinheim mit Bieber an seinen Neffen Graf Ulrich von Hanau.
 
1372
Bieber besitzt Burgrecht in Frankfurt. Seine Einwohner dürfen in Kriegszeiten in der befestigten Stadt Zuflucht suchen. Als Gegenleistung müssen sie 10 Ruten (= ca. 35 Meter) Stadtgraben instand halten.
 
1380
Peter Molner und seine Frau Ermela vermachen dem Deutschorden zu Frankfurt eine jährliche Korngülte von der Obermühle zu Bieber.
 
1385
Das Weistum der Biebermark (auch Biegermark genannt) wird aufgezeichnet. Zwölf umliegende Dörfer gehören zu der sich selbst verwaltenden Markgenossenschaft - Gerichtsort ist Bieber. Bis etwa 1800 tagt hier das Märkerding, die Versammlung der Markgenossen, "bei der Pforte, beim Schlag unter der Linde".
 
1393
Die Herren von Eppstein verpfänden das Amt Steinheim mit Bieber an die Herren von Kronberg.
 
1407
Peter Glockener von Bieber erklärt dem Junker Gypel von Offenbach die Fehde.
 
1425 
Gottfried von Eppstein verkauft das Amt Steinheim, zu dem Bieber gehört, an Erzbischof Konrad von Mainz. Bieber verbleibt beim Kurfürstentum Mainz bis 1803.
 
1435
Erwähnt wird die Landwehr. Sie zog als ein mit dichtem Gestrüpp versehener Wall und Graben vom Main bei Mühlheim über die Rote Warte zur Käsmühle und von da parallel zur Bieberbach in Richtung Heusenstamm.
 
1437
Erstmals werden Pfarrer in Bieber namentlich genannt: Konrad Giselbert, Heinrich von Vilbel.
 
1449
Henne von Bibra (=Heinrich von Bieber) wird als Besitzer des (nach den dort befindlichen Webrahmen so benannten) Rahmhofes in Frankfurt erwähnt. Die von der Hauptwache dorthin führende Straße heißt noch heute "Biebergasse".
 
1512
Die zwei Dreieicher Wildhuben in Bieber werden nach altem Herkommen an Alhens Jacob aus Bieber und Anschelm Edinger aus Frankfurt verliehen.
 
1517
Die Markgenossen der Biebermark setzen auf dem Wahlding in Bieber den Grafen von Isenburg als Obervogt ab, da er unbefugterweise Holz für den Bau seines Schlosses in Offenbach im Markwald hatte schlagen lassen. Zum neuen Obervogt der Mark wählen sie den Mainzer Erzbischof und Kurfürsten Albrecht von Brandenburg. Dieser verspricht in einem am 30. September 1517 ausgestellten Schutzbrief, die Rechte der Märker zu achten und zu verteidigen.
 
1552
Bei der Belagerung Frankfurts durch Truppen der protestantischen Fürsten wird den Bieberer Bauern ihr Vieh weggenommen. Mit vielen anderen Dörfern verliert auch Bieber sein Burgrecht in Frankfurt, da es die Verpflichtung zu Schanzarbeiten nicht erfüllt hatte.
 
1554
Die wehrfähigen Untertanen des Kurmainzer Amtes Steinheim werden gemustert. Ein Teil von ihnen muß am Reichskrieg gegen die angreifenden Türken teilnehmen. Aus Bieber sind dies 14 Mann. Auch hat die Gemeinde einen Kriegswagen mit vier Pferden und allem Zubehör zu stellen.
 
1576
Für das Amt Steinheim wird ein Jurisdiktionalbuch angelegt. Es verzeichnet für Bieber 44 Haushaltungen. Neben den ca. 250 Kurmainzer Untertanen gibt es im Dorf 13 hanauische, 4 kronbergische, 7 isenburgische und je einen erbachischen, heusenstammischen und hessischen Leibeigenen. Als Familiennamen werden genannt: Pfeifer, Span, Seuppel, Winter, Keiser, Wurtzel, Schneid, Pietz, Cur und Götz. Der große Zehnte ist an das Petersstift in Mainz als Patronatsherrn, der kleine Zehnte an die Pfarrei Bieber zu entrichten. Obermühle, Dorfmühle und Käsmühle sind zinspflichtig.
Als Schultheiß amtet Nikolaus Eysern.
 
Um 1576
Vermutlich als ergänzende Illustration zu dem Jurisdiktionalbuch malt ein unbekannter Künstler für den Mainzer Kurfürsten Daniel die Landschaft zwischen Offenbach und Seligenstadt. Als Besonderheiten in der Bieberer Gemarkung erscheinen auf dem Bild die Mainzer Landwehr, der "Schöffenstuhl" des Biebermarkgerichtes und das "Baufelt" an der Stelle der an vorgeschichtlichen Funden reichen "Steinäcker".
 
1595
Schultheiß Nikolaus Eyssern stirbt. Sein Hofgut vermacht er der Kirche in Bieber mit der Auflage, die jährlichen Kornerträge unter den Ortsarmen zu verteilen.
 
1604
Kurfürst Johann Schweikhardt verleiht die dem Erzstift Mainz gehörige Käsmühle an Friedrich Himmern gegen eine jährliche Pacht von drei Malter Korn.
 
1610
Das kinderlose Ehepaar Jacob und Juliana Heusenstamm hinterläßt der Pfarrei seinen gesamten Grundbesitz. Die Gemeinde erwirbt von den Erben auch noch das Wohnhaus und richtet es mit Hilfe des Petersstiftes als Pfarrhaus ein. Als Pfarrer wirkt Michael Steuben in Bieber.
 
1618
Der Dreißigjährige Krieg bricht aus. Das Kurfürstentum Mainz, das in Bieber die Landesherrschaft ausübt, gehört der katholischen Liga an und steht auf Seiten des Kaisers. Die in dem benachbarten Offenbach regierenden Grafen von Isenburg halten dagegen zur protestantischen Union.
 
1622
Die Gegend am unteren Main wird Kriegsschauplatz. General Tilly siegt mit Truppen der Liga bei Höchst am Main über das Heer der protestantischen Fürsten. Truppendurchmärsche, Einquartierungen und Plünderungen belasten die Bevölkerung.
 
1624
Das Messegeleit aus Süddeutschland nach Frankfurt nimmt wegen kriegerischer Unruhen statt auf der Geleitsstraße am Main entlang seinen Weg auf der alten Landstraße über Bieber.
 
1631 18. Februar
Der Amtmann Heinrich Greiffenklau von Volradt läßt die Wehrfähigen aus den Gemeinden des Rodgaues und am Main in Steinheim mustern. Zwei Fähnlein mit 201 und 136 Musketieren werden aufgestellt. Die Bieberer Landwehrmänner werden der 4. - 6. Rotte der 3. Korporalschaft des 1. Fähnleins zugeteilt. Leutnant Jakob Martini aus Bieber wird zum stellvertretenden Fähnleinführer ernannt.
Im November sind die Fähnlein bei der Verteidigung der befestigten Stadt Groß-Steinheim gegen die Schweden eingesetzt, müssen sich jedoch dem Schwedenkönig Gustav Adolf ergeben.
 
1638
Bieber zählt nur noch 26 Einwohner.
 
1644-1647
Durch erneute Kampfhandlungen und Plünderungen, an denen bayerische, französische und kaiserliche Truppen beteiligt sind, entstehen weitere Verluste und Schäden.
 
1655
Nach den Wirren des Krieges kehren langsam geordnete Verhältnisse ein. Als Schultheiß und "Landzöller" amtiert Nikolaus Wolff. Von außerhalb zuziehende Familien gleichen die Bevölkerungsverluste des Krieges allmählich aus. Als Pfarrer wirkt zunächst Werner Nußbaum. Im Dezember wird Rupert Kiel die Pfarrstelle in Bieber und der dazugehörigen Filialgemeinde Bürgel übertragen.

 

weiter zu den Jahren 1681 bis 1836 

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